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01.06.2010 12:59 Alter: 7 yrs

Vorhandene Stärken ausbauen

Museum Abteiberg: Vorbild für zukünftige Bauvorhaben?


Städtisches Museum Abteiberg, Hans Hollein, 1972-1982

Herausforderung annehmen

Die Stadt Mönchengladbach muss - um ihre eigene Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu wahren, die schwierige Herausforderung annehmen, einerseits mit aller Konsequenz zu sparen, andererseits aber auch zielgerichtet in die eigene Zukunft zu investieren und schwerpunktmäßig Alleinstellungsmerkmale zu schaffen. 

Doch wie sollen solche Alleinstellungsmerkmale in einer der vielfältigsten und dicht besiedelten Regionen Europas aussehen? Ist es für eine mittelgroße hochverschuldete Stadt am linken Niederrhein realistisch, die Realisierung des Außergewöhnlichen in Angriff zu nehmen? 

Die Gesellschaft im 21. Jahrhundert ist geprägt durch ein großes soziales und finanzielles Gefälle, bedingt durch verschiedene Faktoren wächst aber in allen Bevölkerungsteilen trotz zunehmender sozialer und finanzieller Probleme der Anspruch an den Lebensraum Stadt. Der Bürger im 21. Jahrhundert erwartet eine hohe Verweilqualität, es ist selbstverständlich, dass die Stadt moderne und hochwertige Einrichtungen wie städtische Schwimmbäder oder ein Theater zur Verfügung stellt und dass Fußgängerpassagen, Plätze und Straßen in jedem Ortsteil eine hohe Attraktivität aufweisen. 


Es stellt sich jedoch immer wieder die Frage, welche dieser Investitionen wirklich notwendig sind und welche Investitionen dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt garantieren. Die Realität sieht überwiegend leider so aus, dass langfristig viele Ortsteile gleichermaßen an Attraktivität verlieren und die Gesamtstadt dem Wettbewerb mit umliegenden Städten in vielen Bereichen nicht mehr gewachsen ist. 

Möglicherweise liegt ein Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg darin, sich auf die vorhandenen Stärken zu konzentrieren, diese auszubauen und damit der Stadt ein unverwechselbares Profil zu erarbeiten - sich also auf übergeordnete Leitlinien zu verständigen und überzeugende Schwerpunkte zu bilden, welche bisher nicht erkennbar sind.

Wenn wir in Mönchnegladbach beispielsweise neue Bauwerke errichten, so sollten diese auch möglichst optimal zu dem Standort passen und mit dem vorhandenen Gefüge harmonieren. Der Fachmann spricht hier von kontextuellem Bauen. Kontextuelles Bauen schaut den Ort an und versucht ihn zu ergänzen, aber auch neue Akzente zu setzen. 


Vorbild Museum Abteiberg 

Hierzu schreibt James Wines in seinem Buch "Grüne Architektur" aus dem Jahr 2008:

"Holleins bis dato berühmtester Bau - und zweifellos ein bedeutendes Experiment für kontextuelles Bauen - ist das städtische Museum in Mönchengladbach. Das Gebäude ist in einen Hügel hineingebaut und besitzt begehbare Dachflächen...Der Entwurf entwickelte sich aus einer städtebaulichen Planung, die Hollein zuvor bereits für die Stadt ausgearbeitet hatte. Die Idee einer aus Einzelbauten bestehenden Stadt am Hang eines malerischen Hügels durchzieht das ganze Gebäude. Es zerschneidet, verwebt, dringt ein und gliedert das Baugelände und zeugt von einer meisterhaften bildhauerischen Dynamik des Architketen, wie wir sie in unserem Jahrhundert vielleicht nur noch in der organischen Architektur Frank Lloyd Wrights erlebt haben."


So betrachtet erhält ein zentrales Bauwerk in unserer Stadt eine kulturelle und ökologische Bedeutung sowie eine künstlerisch-archtektonische Note, welche es auszubauen gilt und als Vorbild dienen könnte. Der Düsseldorfer Medienhafen zeigt, dass auch 28 Jahre nach Verwirklichung des Museums Abteiberg innovative Bauprojekte, welche eine übergeordnete Idee verfolgen, bei den Menschen auf große Beliebtheit und Begeisterung stoßen. Mit Sicherheit war Hollein mit dem Bau des Museums Abteiberg seiner Zeit weit voraus, eine Geschenk an die Stadt, welches wir bisher leider nicht in seinem vollen Umfang angenommen haben. 

 

Übergeordnete Leitlinien

Welche Idee verfolgen wir zukünftig in Mönchengladbach? Es sollte im Interesse der Stadt und ihrer Zukunftsfähigkeit vielmehr um solche Fragen inhalticher Art gestritten werden, als beispielsweise primär darum, wer eine Shoppingmall in unsere Innenstadt platzieren darf. Zuerst sollten wir als Stadt eine eigene Vorstellung entwickeln, welches Profil die Stadt in der Zukunft haben soll und potentiellen Investoren von Beginn an eine eigene Grundüberzeugung vermitteln. Im Zweifel sollte man lieber kein Bauvorhaben zulassen - denn weniger ist machmal mehr.

Welche vorhandenen Stärken hat der Standort Mönchengladbach und wie können wir diese punktuell weiter herausarbeiten, so dass ein harmonisches, lebenswertes, identifikationsstiftendes und vor allem zukunftsfähiges Gesamtgefüge entsteht? Wir dürfen den Anspruch nicht verlieren, dass möglichst alle Bevölkerungsteile stolz auf ihre Stadt sind und sich daraus ein neues Bewusstsein entwickelt, das Geschaffene zu würdigen und gemeinsam zu pflegen. Dies ist zum Glück nicht immer nur eine Frage von Geld! Insbesondere wird es auch erforderlich sein, den Menschen in Mönchengladbach eine Idee zu vermitteln und damit eine neue Begeisterung für die eigene Stadt zu schaffen. 

Siehe auch: www.mitten-in-mg.de/Weitblick.134.0.html

Buchempfehlung

James Wine, Grüne Architektur: bit.ly/d1BwtE